In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Social Distancing bricht auch den Carsharern das Geschäft weg. Bis zu 80 Prozent Auslastungseinbußen verzeichnet der mitteldeutsche Anbieter teilAuto aktuell. Dabei beginnt an Ostern normalerweise die Hauptsaison. Um die ausbleibenden Einnahmen abzufedern, hat teilAuto Solidaritätsaktionen auf den Weg gebracht. Die Resonanz darauf ist beeindruckend. 

„Die Idee für die Soli-Aktionen kam eigentlich von unseren Nutzerinnen und Nutzern“, erklärt Michael Creutzer, einer der beiden Geschäftsführer. Per Newsletter hatte das Unternehmen darüber informiert, wie existenzbedrohend die Lage gerade ist. Denn während die Autos kaum noch fahren, weil private und geschäftliche Fahrten wegfallen, laufen die Kosten für Stellplätze, Fahrzeugversicherung und Buchungssoftware weiter. „Die Reaktionen auf den Newsletter haben uns sehr viel Mut gemacht“, erinnert sich Patrick Schöne, ebenfalls Geschäftsführer bei teilAuto. Innerhalb kürzester Zeit gingen hunderte Rückmeldungen ein. Viele Kunden zeigten sich berührt und boten konkrete Unterstützung an.

Vor zwei Wochen brachte der Carsharing-Anbieter daraufhin drei Solidaritätsaktionen an den Start. Unterstützungswillige können virtuelle Soli-Fahrzeuge buchen, eine Stationspatenschaft übernehmen oder ihren monatlichen Grundpreis freiwillig um einen selbstgewählten Betrag erhöhen. Inzwischen wurden rund 350 virtuelle Fahrten gebucht und 80 Mal ein erhöhter Monatsgrundpreis gewählt. Außerdem haben sich gut 450 Stationspaten gemeldet. Durch sie werden über die Hälfte der insgesamt 620 teilAuto-Stationen unterstützt.

Einer der Helfenden ist der Filmproduzent Fagus Pauly aus Jena. Er hat die Patenschaft für die Station Campus Beutenberg in der Saalestadt übernommen. Mit seiner kleinen Produktionsfirma nutzt er Carsharing vor allem für den Transport seiner Ausrüstung zum Drehort. Aktuell sind jedoch alle Dreharbeiten abgesagt und der Schwerpunkt auf die Entwicklung von Drehbüchern verlagert. „Auch wenn wir jetzt nicht fahren, Carsharing hat sich für uns als Mobilitätskonzept bewährt. Wie möchten auch in Zukunft noch bei Bedarf auf Kombis, Transporter und Busse zugreifen können.“ Deshalb unterstützt er teilAuto in der Krise.

„Die Solidarität ist überwältigend“, so Geschäftsführer Creutzer. „Wir sind unseren Kundinnen und Kunden für ihre Hilfe mehr als dankbar.“ Rund 50.000 Euro sind durch die Solidaritätsaktionen bisher zusammengekommen. Die bereitgestellten Beträge werden in den nächsten drei Monaten eingehen. Das Minus, das durch die Corona-Krise entsteht, können sie natürlich nicht komplett ausgleichen. „Wir gehen davon aus, dass wir allein im April Umsatzeinbußen von etwa 500.000 Euro haben werden“, schätzt Fuhrparkchef Schöne. „Aber die große Anteilnahme der Menschen, die uns nutzen, motiviert uns natürlich umso mehr, alles zu geben, damit wir die nächsten Monate durchhalten.“ 

teilAuto wurde 1992 in Halle an der Saale als ökologisch orientierter Verein gegründet und ist heute als Carsharing-Anbieter in insgesamt 20 Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vertreten. Das Unternehmen stellt seinen über 42.000 Nutzern gut 1.000 Gemeinschaftsfahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Transporter bereit. Für seine Dienstleistung trägt teilAuto das Umweltzeichen Blauer Engel und ist als Gemeinwohl-Unternehmen zertifiziert. Um Kosten zu sparen, arbeiten derzeit alle teilAuto-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Außerdem wurde ein KfW-Darlehen beantragt. 

Weiterführende Links

> Zu den Soli-Aktionen von teilAuto

> Zur Online-Karte mit den Stationspatenschaften

> Zum Newsletter zur teilAuto-Situation 

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