Was wir brauchen, ist eine Verkehrswende und zwar jetzt: Vorfahrt für Busse und Bahnen, eine Förderung des Radverkehrs, bequemen und barrierefreien Fußverkehr – gemäß dem Motto „Stadt der kurzen Wege“ – und nicht zuletzt einen flächendeckenden Ausbau der Carsharing-Infrastruktur. Der Wille zum Umbau der PKW-zentrierten Stadt- und Verkehrsplanung hin zur Förderung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes inklusive Fairness bei der Flächenverteilung und mehr Lebensqualität in den Stadtquartieren scheint aktuell in Politik und Verwaltung noch zu fehlen. Ein sauberer Antrieb für die verbleibenden (Carsharing-)Fahrzeuge ist dann die Königsdisziplin. Dem stellen wir uns gerne.

Die interne Bilanz

Aktuell gibt es 50 E-Fahrzeuge in der teilAuto-Flotte, was einem Anteil von 3,5 % entspricht – und sicher noch ausbaufähig ist. Die Integration der Autos hatte praktische Gründe: Mit der bisherigen Anzahl und dem anteiligen Wachstum erfüllen wir formal die Mindestquoten des Blauen Engels.

Die Entwicklung der E-Fahrzeuge in der teilAuto-Flotte hatte verschiedene Facetten: Zunächst mussten wir mit den stark eingeschränkten Reichweiten der Fahrzeuge kämpfen (bei den ersten Modellen führte der Scheibenwischerbetrieb schon zum Leistungsabfall). Bis heute ist die Frage der Ladeinfrastruktur und deren Kosten ungeklärt. So stellt sich unter anderem die Frage, wer die Ladesäulen bauen soll (wir als Anbieter können und wollen dies nicht leisten) und wer die Kosten dafür trägt.

Eine Ladesäule kostet zwischen 5.000 und 8.000 Euro, hinzu kommen Aufwendungen für den Stromanschluss, Zähler, Erdbau und die Anschlussarbeiten. Zwar gibt es sporadisch Fördermittel, doch diese decken lediglich die Ladetechnik ab – also nur einen Teil der Gesamtkosten. Die Investitionen lohnen sich nur, wenn Stellplätze langfristig verfügbar sind. Das Ausweichen auf den öffentlichen Straßenraum ist nur bedingt möglich: Umfangreiche stadtplanerische Vorgaben oder die Tragfähigkeit des Stromnetzes verhindern die Errichtung von Ladesäulen in zahlreichen Fällen.

Darüber hinaus können wir bislang keine akzeptable Bezahl-Regel für überregionales Laden anbieten. Das hat verschiedene Gründe: Aktuell gibt es keine Ladekarte, die eine einheitliche Abrechnung nur nach Strombezug ermöglicht. Hinzu kommt, dass nicht alle Ladekarten an allen Ladepunkten genutzt werden können bzw. die Preise sehr stark variieren. Dies macht eine Kalkulation für die Dienstleistung Carsharing aktuell nicht möglich oder ist schlichtweg zu teuer.

Ein Fazit und Blick in die Zukunft

Die Praktikabilität der E-Fahrzeuge ist besser geworden: Mit inzwischen knapp 300 Kilometern Realreichweite und guter Ausstattung sind zum Beispiel die Renault Zoe Z.E. 50 unseren Verbrenner-Kleinwagen ebenbürtig bzw. für die meisten Einsatzzwecke ausreichend. Dies macht sich in der Nutzung bemerkbar: Mit knapp 20.000 Jahresfahrkilometern sind unsere Elektrofahrzeuge noch immer nicht mit den Fiesta vergleichbar, können aber inzwischen annähernd kostendeckend betrieben werden.

Wir haben im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten Erfahrungen gesammelt: in der Zusammenarbeit mit Stadtwerken, mit den Forderungen von Politik und Verwaltung, beim Aufbau eigener Ladeinfrastruktur und nicht zuletzt auch Erkenntnisse beim Kund*innenumgang (#reichweitenängste, #ladekabelverluste, #nichtangestecktefahrzeuge). Trotz aller negativer Erfahrungen sehen wir deutliche Verbesserungen und konnten selbst einige „Kinderkrankheiten“ gut kompensieren.

Wie sich die Elektromobilität in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist aktuell nicht absehbar. So stellt sich die Frage, was insbesondere mit der Ladetechnologie in den nächsten zwei bis drei Jahren passiert und ob die von uns aktuell eingesetzte Technik überhaupt zukunftsfähig ist. Ein Blick zu anderen stationsgebundenen Carsharing-Anbietern zeigt auch hier ein eher verhaltenes Engagement. Und die Anbieter*innen, die sich das Thema in großem Stil auf die Fahne geschrieben haben, konnten aktuell noch nicht beweisen, dass ein ausschließlicher Betrieb von E-Fahrzeugen sich wirtschaftlich dauerhaft trägt.

Mit der Aufnahme eines neuen Fahrzeugtyps, dem VW ID.3 bauen wir unsere Flotte in Richtung E-Fahrzeuge weiter aus. Ob sich dies am Ende des Tages auszahlt, bleibt abzuwarten…