Hilfe, eine neue Standortanfrage

In schöner Regelmäßigkeit werden wir gefragt, warum wir in Ort X oder Gemeinde Y immer noch kein Carsharing anbieten. Da gäbe es auf jeden Fall ein paar interessierte Leute. Einerseits ist es schön, solche Anfragen zu erhalten, denn es zeigt, dass die Idee des Autoteilens immer mehr Anhänger*innen findet. Zum anderen fürchten wir uns auch ein bisschen vor solchen Mails. Wir wollen niemanden in seiner Begeisterung bremsen, gleichzeitig wissen wir aber auch, dass Carsharing an kleineren Orten immer eine besondere Herausforderung ist – für uns, aber auch für die Carsharing-Interessierten vor Ort. 

Die Sache mit der Wirtschaftlichkeit

Aus unserer Sicht geht es vor allem um wirtschaftliche Risiken. Jedes Auto, das wir bereitstellen, kostet. Anschaffung, Versicherung, technische Anbindung ans Buchungssystem, Stellplatz, Reparaturen und Durchsichten. Unsere Erfahrung zeigt: Die Auslastung in den kleinen Städten ist oft niedriger als in den großen Metropolen. Es gibt vielleicht einen kleinen festen Kern an Nutzer*innen, aber wenn der eben mal zwei Wochen kein Auto braucht, laufen für uns die Kosten dennoch weiter. 

In Großstädten gibt es durch die wesentlich höhere Anzahl registrierter Kund*innen einfach mehr Durchlauf. Deshalb ist es nicht selten so, dass unsere Angebote in den kleinen Städten von den Umsätzen in den Metropolen querfinanziert werden müssen. Aber auch das ist natürlich nicht endlos stemmbar. Wir achten inzwischen verstärkt darauf, dass es beim Start neuer Standorte, möglichst ein paar geschäftliche Kunden, wie ansässige Firmen, Institutionen oder Behörden gibt, die eine gewisse Grundauslastung generieren können. 

Nutzungsalltag in kleinen Städten

Der Nutzungsalltag in kleinen Städten ist natürlich auch anders. Transporter und Busse sind dort selten zu finden. Vielleicht gibt es nur einen Kleinstwagen und einen Hochdachkombi. Und wenn der Kombi zwei Wochen auf Urlaubsfahrt ist, dann freuen wir uns von teilAuto zwar darüber, dass durch diese Tour der Standort einigermaßen gesichert werden kann, aber der daheimgebliebene Nutzer, der spontan ein paar große Kisten und zwei Freunde von A nach B bringen will, sieht das natürlich anders. 

Neben der kleineren Fahrzeugauswahl gibt es aber noch einen weiteren wesentlichen Unterschied. In großen Städten werden die Fahrzeugchecks von Servicemobilen übernommen, die eine Station nach der anderen anfahren. Mit nur zwei Autos im Ort lohnt sich der Einsatz eines professionellen Servicemobils natürlich nicht. Hier werden die Fahrzeugchecks (Ölstand und Reifendruck prüfen, Scheibenwischerwasser auffüllen etc.) von Freiwilligen übernommen. Das sind meist ganz normale Nutzerinnen und Nutzer. Mit ihrem Einsatz sorgen sie dafür, dass wir mit unserem Carsharing überhaupt vor Ort sein können. Sie sind das Rückgrat unserer kleinen Städte. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle unsere ehrenamtlichen Ortsgruppen! 

Warum hat es in Zwickau geklappt?

Ehrlich gesagt, Zwickau ist eine aus Carsharing-Sicht eher kleine Stadt, die auch noch eng mit der Autoindustrie verbunden ist und somit für uns nicht das einfachste Pflaster. Vor teilAuto hatte auch schon ein anderer Carsharing-Anbieter sein Glück versucht und musste 2016 die Segel streichen. Dennoch gab es Engagierte vor Ort, die sich mit viel Ausdauer für einen Neustart mit teilAuto eingesetzt haben. Zu ihnen gehören Dominik Jahre und Jenny Hauser. Dominik beschloss vor über zwei Jahren, seine Mobilität nachhaltiger zu gestalten und ohne eigenen Pkw zu leben. Jenny nutzte teilAuto früher in Dresden und wollte für ihre Familie ein Carsharing-Angebot anstelle eines privaten Zweitwagens. 

Auf ihrer Webseite autoteilenzwickau.de erzählt die Ortsgruppe, welche Hürden sie zu nehmen hatte, bevor es mit dem Angebot geklappt hat. Grundsätzliches Interesse für das Thema Autoteilen gab es, aber einen konkreten Unterstützer*innenkreis und ein fünfköpfiges Team für die Fahrzeugchecks zu finden, war schon schwieriger. Das Team Zwickau hat es letztendlich geschafft. Auch die Stadt, die Carsharing-Förderung bis dato gar nicht auf dem Plan hatte, konnte soweit mit ins Boot geholt werden, dass die drei Carsharing-Stationen kostenfrei im öffentlichen Straßenraum eingerichtet werden durften. Zunächst nur drei Jahre auf Probe. Aber immerhin. 

Start mit Verzögerung durch Corona

Eigentlich sollte das Angebot im Frühjahr 2020 starten. Doch dann kam Corona und teilAuto verzeichnete an allen anderen Standorten solche Umsatzeinbußen, dass an die Eröffnung einer neuen Stadt nicht mehr zu denken war. Doch die Ortsgruppe blieb dran, veranstaltete im Sommer einen Info-Stammtisch und nun kommt – ein halbes Jahr später als geplant – endlich der Startschuss für teilAuto in Zwickau. Carsharing-Interessierte können sich online als Nutzer*in registrieren und, wenn gewünscht, über info@AutoteilenZwickau.de Kontakt zur Ortsgruppe aufnehmen, um sich genauer über Carsharing in Zwickau zu informieren.

Die Stationen sind wie folgt verteilt:

  • am Bahnhof (Bahnhofstraße) wird ein Ford Fiesta (Fahrzeugklasse „Kleine“) bereitgestellt
  • am Neumarkt (Moritz-/ Leipziger Str.) ein Renault Twingo („Minis“)
  • in der Nordvorstadt (Clara-Zetkin-/ Walter-Rathenau-Str.) ein Ford Connect 7-Sitzer („Hochdachkombis“).

Wir von teilAuto danken allen Unterstützer*innen vor Ort für ihr tolles Engagement! Das war wirklich Durchhalten auf Langstrecke. Für die Zukunft hoffen wir, dass diese Begeisterung bestehen bleibt und wir noch viele engagierte Mitstreiter*innen finden können. 

PS: Thema Meißen

Auch in Meißen gibt es Menschen, die sich für ein Carsharing-Angebot engagieren. Genau wie in Zwickau hat auch hier das Corona-Virus als Bremse gewirkt. Dennoch bleibt man auch hier dran. Aktuell wird der Fokus aufs Frühjahr 2021 gelegt und wenn alles gut läuft, dann wird Meißen unser 22. teilAuto-Standort.